ZARIZA ist ein russisches Wort, welches Einklang in die Sprache der Zigeuner gefunden hat.
Zariza, so wurde eine begehrenswerte, ebenso stolze wie schöne, Zigeunerfrau genannt, eine, bei der die Männer zur Gitarre griffen und wehmütig sangen:
„Hej, Zariza, schau mich an, höre, wie mein Herz schlägt, wenn Du vorbei gehst...“
ZARIZA GITARA spielen Zigeunermusik aus Russland, dem Land, durch welches das fahrende Volk seit Jahrhunderten zieht. Mit den Zigeunern ziehen ihre Lieder und Tänze, ihre Sorgen und Wünsche, ihre Verzweiflung und ihre Hoffnung.
Wie kaum eine andere Musik bringen die Lieder der russischen Zigeuner den übergroßen Reichtum der menschlichen Seele zum Ausdruck.
Ursprünglich und bildhaft ist diese Musik, verhalten beginnen die Lieder, um sich dann zu steigern, anzuschwellen und immer schneller zu werden bis hin zum leidenschaftlichen Finale. Schmerzvolles Leid und übergroße Lebensfreude sind da so dicht verwoben wie auch Lachen und Weinen im Leben eines Menschen.
Großartige Interpreten sind die russischen Zigeuner. Und begeisterte Sammler: Von all den Gegenden, die sie durchqueren, nehmen sie Ideen mit, Harmonien und Melodien, vermischen diese mit ihren eigenen und schaffen so eine eigene, lokal unterscheidbare Kultur.
Ihre Lieder bleiben, auch wenn die Menschen weiterziehen.
Kaum vorstellbar sind ihre Tänze und Lieder ohne das nächtliche Lagerfeuer.
Das Feuer ist nicht nur da, um die Musizierenden zu wärmen und das Essen vorzubereiten, nein, das Feuer lebt mit, es wird Teil der großen Feier, es wird Zeuge der beglückenden Liebe oder des verzweifelten Kummers, so, wie er sich im Lied manifestiert.
Ein Zigeunerlied ohne Gefühle ist undenkbar. Ein Musiker beschreibt es so:
„Früher gab man für ein Lied seine Seele, ja selbst sein Leben. Beim Singen vergaß man alles, selbst die Erde und den Himmel. So waren die Lieder früher. Und auch die Menschen!“
Heute stellen die Musiker von ZARIZA GITARA die Lieder ihrer neuen CD »Pashe Yagorya. Mit den Augen des Feuers« vor. Stolz und Schönheit, gepaart mit mitreißender und sinnlicher Lebensfreude, prägt die Lieder dieses internationalen Ensembles. Und das Feuer ist in ihnen, ist Zeuge der Schönheit ihrer Interpretationen, die Traditionelles mit Heutigem verbindet.
P R E S S E
Die Lieder von ZARIZA GITARA erzählen von der Weite der russischen Steppe, vom Leben der Zigeunervölker, von den Festen, der Sehnsucht, der Trauer. »Wenn ich Flügel hätte…« singen Valeriya und Olesja mit variationsreichen Stimmen. Ihre Musik steckt an, verleitet zum Mitsummen, der Körper wiegt sich zum Rhythmus der temperamentvollen Musik.
DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN
ZARIZA GITARA schafften es, mit Rhythmus, Melancholie und sehnsuchtsvollen Liedern ihr Publikum einfangen und zu verzaubern.
OSTSEEZEITUNG
Da leuchteten die Augen, da wippten die Füße: mit ihrer so freundlichen Art und mitreißenden Spielfreude erreichte die Gruppe mühelos die Herzen der Zuhörer.
DESSAUER TAGEBLATT
Das internationale Ensemble hinterließ einen blendenden Eindruck.
Was will man mehr?
FREIES WORT
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Nikolai Bessonow, Maler und Forscher über russische Zigeunerkultur:
Wenn man die Folklore der russischen Zigeuner kennenlernt, bemerkt man, dass es zumeist Stimmungs-Lieder sind. In ihnen gibt es keine klare Handlung und keine anschauliche Beschreibung. Die Wörter sind nur nötig, um diese oder jene Situation zu bezeichnen. Die Emotionen werden mit der Stimme übertragen. Der Text ist nur ein Punkt zur Orientierung. Und ob es gelingt, den Zuhörenden die stürmische Freude oder den tiefsten Kummer nahe zu bringen, hängt nur von der geschickten Interpretation der Ausführenden ab.
Von der Perspektive einer hohen Poesie aus darf man diese Lieder nicht beurteilen.
Darüber hinaus haben sie sich über die Jahre verändert. Die ursprünglichen Texte wurden bei der mündlichen Übergabe von der Generation zur Generation verzerrt. Einzelner Wörter gingen verloren und wurden durch andere ersetzt, nicht selten ging dabei der Reim verloren.
Doch die Zuhörer bemerken es nicht, da die Ungereimtheiten durch schimmernde Stimmen verdeckt werden. Für den Sänger selbst ist der Text zweitrangig. Das Lied ist eine Gelegenheit, sich miteinander zu freuen, über das Leben nachzudenken oder gar zu trauern.
Optimismus und Glück sind hier zwischen den Zeilen zu finden.
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Valeriya Shishkova, Sängerin und Komponistin:
Zigeunermusik aus Russland? Was ist der Unterschied zur Musik, die von Zigeunern aus Ungarn oder Rumänien gespielt wird? Oder von Zigeunern, die in England oder der Türkei leben? Und wenn es einen Unterschied gibt: Wie bedeutend ist er?
Der Unterschied ist in etwa so groß wie der zwischen dem Weißen und dem Roten Meer:
Scheinbar ist es das gleiche Wasser, salzig und nass. Aber im Roten Meer können Korallen und Haifische leben. Und im Weißen Meer gibt es nur Steine und Algen. Um den Unterschied zu verstehen, muss man ein Stück in die Geschichte sehen:
Die Zigeuner sind ein indischer Stamm, welcher aus unbekannter Ursache im 9.-10. Jahrhundert die Ufer des Ganges verließ und sich auf die Suche nach einem besseren Leben begab. Offensichtlich war es kein armes Volk, es beherrschte das Schmiede- und Juwelierhandwerk, konnte durch Tanz und Gesang die reicheren und ehrwürdigeren indischen Kasten unterhalten - daher die Verehrung reicher und berühmter Leute.
Sie hatten einen langen Weg, durch den Nahen Osten bis nach Byzanz, wo sie für 500 Jahre blieben und dort den orthodoxen christlichen Glauben annahmen. Unter dem Druck der türkischen Eroberer ging danach der freiheitsliebendere Teil des Volkes weiter Richtung Norden nach Europa, wobei es zwei Hauptströme gab:
Eine Gruppe bewegte sich nach Westen und landete in Spanien, in Frankreich und England.
Eine andere Gruppe ging Richtung Osten, sie verteilte sich in Ungarn, Rumänien, Tschechien bis hin nach Deutschland.
Die Art der Betätigung blieb unverändert: Schmiede- und Juwelierhandwerk sowie die Sangeskunst und Unterhaltung reicher Menschen. Diese Zuhörer wünschten jedoch zumeist keine Lieder aus fremden Ländern zu hören, die sie nicht verstanden. Deshalb mussten die Zigeuner die regionalen Lieder lernen - also die ungarischen, deutschen, spanischen oder französischen Volkslieder: C‘est la vie.
Wem die Anpassung nicht gelang, musste betteln oder auch stehlen, um sein Leben zu fristen.
Im besten Fall noch betrieb er Handel.
Das Ergebnis dieser Konkurrenz im Handel: Drei Jahrhunderte später waren überall in Europa Anti-Zigeunergesetze eingeführt, was einige unter den Betroffenen veranlasste, noch weiter nach Osten zu gehen. So kamen im 18. Jahrhundert aus Deutschland stammende Zigeuner erstmals nach Russland. Dort wurde im Verlauf der gesamten weiteren russischen Geschichte kein einziges Gesetz erlassen, das die Zigeuner auf irgendeine Art einschränkte oder diskriminierte.
Natürlich mussten sich die Fremdlinge auch hier anpassen: die Schmiede an die russischen Hufeisen, die Händler an die russischen Waren und Gesetze, die Sänger an die russischen Lieder und die russischen Chöre.
Aus dieser Anpassung heraus entwickelte sich der sogenannte Zigeuner-Chorgesang.
Die ersten Lieder, die von Zigeunerchören gesungen wurden, waren keine Zigeunerlieder (die es auch gar nicht mehr gab), sondern einfache russische Volkslieder.
Übrig geblieben aus ihrer einstigen Heimat war nur der typische Gesangsstil.
Und genau diese Art des Singens - welche die Menschen wie durch ein Wunder aus der Zeit in ihrem ursprünglichen indischen Heimatland bewahrt hatten - eroberte die Herzen der russischen Aristokratie.
Die Entwicklung einer bürgerlichen Gesellschaft verlagerte die Auftrittsorte der Zigeunerchöre in die exklusiveren städtischen Restaurants, wo sie auch weiter russische Lieder und Romanzen sangen, welche sie mit Worten aus der Zigeunersprache würzten. Erst allmählich entwickelten sich, in Anlehnung an russische Melodien, eigene Kompositionen in ihrer Muttersprache, welche in der damals schon aufgeklärten und toleranten vorrevolutionären bürgerlichen Gesellschaft (der Reichen und Berühmten) mit Freude und Erstaunen aufgenommen wurden.
So entstanden die heute bekannten Gesänge der russischen Zigeuner - so seltsam das klingt - aus der russischen Musikfolklore. Das einzige, was sie mit den Liedern der Zigeuner aus anderen Ländern eint, ist die gemeinsame Sprache und die besondere Art der Darbietung: es ist genau jenes Salz, welches in allen Meeren der Erde gelöst ist und welches auch wir in unseren Konzerten weiterreichen:
Es ist das Salz des Lebens: endlose Freiheit, tiefste Schwermut, hemmungslose Freude, tödliche Verzweiflung, die weltumspannenden Flügel der Liebe, die äußerste Not des hinfälligen Leibes, das üppige Mahl einer jungen Seele.
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