Zwei Konzerte an einem Abend.
Zuerst das CD-Releasekonzert der jüdisch-russischen Sängerin Valeriya Shishkova.
Danach zum ersten Mal in Dresden: die belgische Sängerin Lucette van den Berg.
__________
Das CD-Release-Konzert:
"Ayn Tal fun dir, ayn Tal fun mir"
Jiddische Lieder mit Valeriya Shishkova aus Russland
Die in Moskau geborene und seit zehn Jahren in Dresden lebende Valeriya Shishkova hat sich in den vergangenen Jahren zu einer herausragenden Interpretin jiddischer Lieder entwickelt.
Längere Zeit stand Zariza Gitara, die Band, mit der sie Lieder der russischen Zigeuner singt, im Mittelpunkt ihres künstlerischen Interesses.
Doch durch die intensive Begegnung mit jiddischer Musik und Kultur entdeckte sie immer mehr einen wichtigen Teil ihrer eigenen Identität.
Diese jiddischen Lieder, die, wie sie selbst sagt, im Einklang stehen mit ihren seelischen Schwingungen, waren „der Wind aus der richtigen Richtung.“
Die besonders große Gabe Valeriyas Shishkovas aber ist ist es, diese Lieder mit einer so ergreifenden Emotionalität, so spürbar und mit Herzblut zu gestalten, dass sich wohl kaum jemand diesem Zauber entziehen kann.
Ihre große Menschlicheit und Freundlichkeit, den Reichtum ihrer Seele, teilt sie in dieser Musik mit ihrem Publikum.
»Man hört es an der Stimme, wenn die Sängerin lächelt. Dadurch vermittelt sie eine Freundlichkeit, um die sie mancher Popstar beneiden könnte.
Und da sie nur Lieder singt, die ihr gefallen, strahlt sie eine Ehrlichkeit aus, die in der zeitgenössischen Konzertpraxis selten geworden ist.« (DRESDNER NEUESTE NACHRICHTEN)
Vor wenigen Wochen erschien, bislang nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit, ihre aktuelle CD, die sie heute Abend im Konzert vorstellen wird.
__________
"Vint fun Berg"
Jiddische Lieder mit Lucette van den Berg aus Belgien.
Es ist die Geschichte einer Aussteigerin: Die klassisch ausgebildete Sopranistin Lucette van den Berg begann in den 90er Jahren eine vielversprechende Karriere, sang Opern von Mozart, Puccini, Weill, Bernstein.
Dann ein radikaler Schnitt: Sie stieg aus, um aus-
schließlich nur noch jiddische Musik zu singen.
Was war geschehen? Sie erzählt:
„Vor mehr als 15 Jahren hat mich am Strand von Tel Aviv ein fremder Mann auf Jiddisch angesprochen. Er sagte, ich würde zwar arisch aussehen, aber meine Augen seien jüdisch. Und er hat mir gesagt, ich würde eines Tages auf jiddisch singen.“
Eine seltsame Begegnung, die ihr Leben veränderte.
Jahre später gab ihr ein Bekannter ein jiddisches Liederbuch mit der Empfehlung, auf ihrem nächsten Konzert ein paar Stücke daraus zu singen.
Das war 2004.
Lucette lernte, neu und einfacher zu singen.
Einfach, aber nicht beliebig. Emotional, aber nicht pathetisch. Klar, mit leichten Ornamentierungen.
„Singen bedeutet, eigene Ängste zu überwinden und
von unliebsamen Gewohnheiten Abschied zu nehmen, die für einen bisher Sicherheit bedeuteten.“
Ihre eigenen Ängste hat sie überwunden.
Über die jiddischen Lieder hat sie ihre eigenen
Wurzeln gefunden, hat die Geschichte ihres Vaters
erfahren, der, wie viele Juden in Europa, seine eigene jüdische Herkunft lange verborgen gehalten hatte.
"»Die Lieder besitzen die Schönheit einer Blütenknospe, ähneln dem bunten Flügel eines Schmetterlings. Lucette begeistert mit ihrer musikalischen Magie, singt intensiv, aufrichtig, herzerwärmend und manchmal herzzerreißend.«
De Stentor Nederlande"
Zurück