When I’m up …
von Andreas Körner

Die Wiedervereinigung der irischen Pogues – und zwar ausdrücklich mit ihrem ultimativen Frontmann Shane McGowan – ist eines der herausragenden Folkrock-Ereignisse jüngerer Zeit.
Doch es gibt auch andere sehr gute Nachrichten.

Dass die aktuelle Tour der englischen Oysterband endlich wieder auch nach Dresden führt, ist eine davon.
Lange Jahre war Funkstille, neue Platten erschienen regelmäßig, doch für ein Konzert in der Region war keine Gelegenheit. Die guten Erinnerungen der Fans müssen deshalb bis in die frühen 1990er zurückreichen, als die Oysterband im Großen Garten ein Open-air spielte.

Neben den Levellers, Waterboys, Great Big See und – eben – Pogues gehört die Oysterband nicht nur zu den langlebigsten, sondern auch erfolgreichsten Roots-Rock-Formationen der Insel. Sie sind aufrecht durch jene Zeiten gegangen, in denen Folk ein Schimpfwort war. Sie haben eher still und bescheiden markante Studio- und Live-CDs eingespielt, als andere lauthals für sich in Anspruch nahmen, den Klassiker vom Staube befreit und zu neuen populären Ufern geführt zu haben.

Heute sind von den Gründungsmitgliedern noch Ian Telfer (Geige, Konzertina), John Jones (Gesang, Akkordeon) und Alan Prosser (Gitarre, Akkordeon, Banjo, Bass) dabei. Um die Canterbury Universíty herum fanden sich die drei zusammen, gründeten mit Fiddler’s Dram Ende der 1970er schon eine erste Formation, die zunächst in der Oyster Ceilidh Band, 1982 dann in der Oyster Band aufging. Zehn Jahre später verlor das Quintett noch das „Leerzeichen“ und veröffentlichte als Oysterband „Deserters“ (1992), „Holy Bandits“ (1993) oder „Deep Dark Ocean“ (1997), Alben, die ihre Zeit längst überdauert haben.

Besonders Jones hat mit seiner prägnanten Stimme den Sound der Oysterband geprägt. Ganz gleich, ob sie straff rockige Phasen hatte, leicht experimentelle (weil elektronische) oder eben akustische. Eines aber ist der Band über all die Jahre geblieben: Wacher Geist für das, was um sie herum passiert. Die Musiker haben nie ein Hehl daraus gemacht, wo sie politisch stehen, was In Großbritannien und im Weltgefüge schief läuft. Sie haben Margaret Thatcher überstanden, was eine immense Leistung ist. Der große Robert Wyatt hatte zwischendurch vor lauter Lähmung aufgehört, Songs zu schreiben … Die Oysters glaubten immer an Veränderungen. Sie schrieben und sangen leidenschaftlich über Kriminalität, Bürgerkrieg, Israel, Gemeinschaft, aber auch über die Schönheiten der Natur, die der Liebe. Sie coverten Billy Bragg, Pete Seeger, Nick Lowe, aber auch New Order, bearbeiten noch heute britische Traditionals, Folk-Stomps, Balladen, Hymnen und Poems und machen daraus eigene Songs.

„When I’m up, I can‘t get down“ ist nicht nur ein wesentlicher Hit der Oysterband, es ist gleichzeitig ihr Motto. Wenn wir oben sind, können wir uns nicht unterkriegen lassen. Zum 30. Bandjubiläum hat die Band 14 ihrer Songs in ein neues, rein akustisches Gewand mit Harmoniegesang als Schwerpunkt gekleidet. „The Oxford Girl And Other Stories“ (Westpark) klingt wie ein Innehalten, Durchatmen, ein Erden mit eigenen Tönen. „Wir haben die Stücke zeitgemäß umarrangiert und in einigen Fällen sogar neu erfunden – so simpel und direkt wie es uns möglich war. In dieser Form haben wir einst angefangen, und deshalb fühlte es sich richtig an, bei unserem Jubiläum genau daran zu erinnern.“

Eine schöne Geschichte gibt es zum Song „The Early Days Of A Better Nation“, der fast so etwas wie d e r Oysterband-Hit ist, zu erzählen. Die Band nahm sich die mächtige Titelzeile „Arbeite so, als würden wir in den frühen Tagen einer besseren Nation leben“ vom schottischen Autor und Zeichner Alasdair Gray. Nach seiner Wahl 2007 benutzte der schottische Erste Minister Alex Salmond dieselben Worte, woraufhin die Oysterband nicht wenige begeisterte Mails bekam: „Hey, er hat euch zitiert!“ Daraufhin stellten die Musiker den Ursprung der Zeile klar und entschuldigten sich bei Gray. Und er? Schickt eine Postkarte zurück und schreibt: „Ach, das macht nichts. Ich hab‘ sie auch nur geklaut, vom kanadischen Dichter Denis Lee …“ Die etwas andere Art Netzwerk!

Geschrieben von Andreas Körner

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Früher als Bad Boys verschrien, blieben die Oysters im Verlauf ihrer internationalen Karriere ihrem melodischen, leicht angerauhten Sound treu. Mehr als 3.000 Shows in über 900 Städten auf allen fünf Kontinenten und zahlreiche Nominierungen und Preise (BBC Folk Award, Best Group 2005) sind ein Garant für die phantastische Live–Qualitäten dieses Quintetts, welches besticht durch exzellenten Gesang, geradlinige Texte, ironische Polit–Statements, und einer virtuosen, auf Folk aufbauenden Musik, kraftvoll, frisch und umkompliziert.

Lieder zum Lachen, Tanzen, Weinen, Springen und Kämpfen (vor allem gegen soziale Ungerechtigkeit und rechte Gewalt/Politik), wobei die traditionellen Wurzeln keltischer Musik nicht verleugnet wurden.

Mit komplett akustischem Sound überrascht die Oysterband auf ihrer neuen CD. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens hat sie vierzehn ihrer Klassiker ohne E-Gitarren & Co. aufgenommen.
„Diese CD ist kein Best-Of“, schreibt das Quintett im Booklet, „aber auch keine systematische Retrospektive, wenngleich Songs aus den meisten unserer sechzehn Studio-Alben enthalten sind. Gemeinsam ist den Liedern jedoch, dass wir das Gefühl hatten, jedes einzelne unter einem anderen Ansatz neu präsentieren zu können. Wir haben die Stücke zeitgemäß umarrangiert und in einigen Fällen quasi neu erfunden – so simpel und direkt wie es uns möglich war mit Lead- sowie Harmoniegesang plus einer akustischen Instrumentierung. Genau in dieser Form haben wir einst angefangen und deshalb fühlte es sich richtig an, bei unserem Dreißigjährigen genau daran zu erinnern. Solch ein Blick zurück in die Zukunft zeigt ferner, wo die Oysterband musikalisch steht!“

„Diese Formation beweist“, stellte HifiVision fest, „dass durchdachte Texte und beschwingter Sound kein Widerspruch sind.“


P R E S S E

Die Oysters, das kann man sich etwa so vorstellen wie „Fairport Convention“ auf Testosteron.
FOLKWORLD

Anders als die echten Austern, die nach rund fünf Jahren reif für den Suppentopf sind, zeichnet sich die Oysterband durch ihre zähe Langlebigkeit aus.
FOLKER

Die britische Folkrocklegende betont zwar, dass dieses Jubiläumswerk keine Best Of oder Retrospektive ist, doch wieso soll sich eine Band, die sechzehn grandiose Alben veröffentlicht hat, denn bitteschön dafür rechtfertigen, dass sie auch mal Songs aus ihrem reichhaltigen Backkatalog recycelt? Es ist ihr gottverdammtes Recht, nach dreißig Jahren Bandexistenz auch mal zurück zu schauen und ihre Klassiker in anderem Gewand zum Besten zu geben
Es ist ja beileibe nicht so, dass olle Kamellen aufgewärmt werden, nein, die OYSTERBAND hat sich vierzehn Stücken angenommen, sie teilweise umarrangiert und auf ausschließlich akustischen Instrumenten neu eingespielt. „Unplugged and rearranged“, wenn man so will.
Dieser urige, natürliche Sound gibt vielen der Songs in der Tat ganz neue Gesichter. Gesichter, die vor Schönheit strahlen. Gesichter, die ernste Geschichten erzählen. Gesichter, die vertraut sind und hinter denen doch kleine Geheimnisse verborgen sind.
Über die Erstklassigkeit der Songs, Jones' Gesang, der instrumentalen Leistungen oder was auch immer die Band auszeichnet noch großartig Worte zu verlieren, wäre, als ob man – man verzeihe mir die Verwendung abgedroschener Phrasen – Eulen nach Athen trüge.
Die Oysterband hat sich ihren Status mit ehrlicher Arbeit und Können hart verdient und seine Hörer noch nie enttäuscht, weder mit schwachen Alben, mit Zugeständnissen an Trends oder Chartkompabilität. Das ist ein Charakterzug, für den die Truppe von der Insel tiefsten Respekt verdient.
Fazit: Oysterband mal anders und dennoch unverändert schön. Entschlackt, frei von Elektronik, pur und unverfälscht und vielleicht gerade deswegen „OYSTERBAND as OYSTERBAND can be“.
MUSIKREVIEWS

Ich gebe es ja zu: ich habe etwas verpasst. Seit 30 Jahren gibt es die britische Folk-Rock-Gruppe Oysterband schon, aber mir sind sie bisher noch nicht aufgefallen. Nachdem ich ihr neustes Werk „The Oxford Girl and Other Stories“ gehört habe, kann ich nur sagen: leider. Anläßlich des 30jährigen Bandjubiläums haben sie vierzehn ihrer Klassiker noch einmal aufgenommen, allerdings mit akustischer Instrumentierung. Teilweise wurden die Stücke umarrangiert, im Prinzip neu erfunden. Herausgekommen ist ein hervorragendes Album, das auf der ganzen Linie überzeugt. Ein guter Laune-Sound, der trotz der manchmal ernsten Texte ansteckt. Sehr zu empfehlen.
TRACKS4INFO

So simpel und direkt wie möglich, doch nicht weniger bewegend und intensiv: Die Oysterband erfindet sich neu.
HAMBURGER ABENDBLATT

Gefeiert werden sie als beste Roots Rock Band aus Großbritannien. Eine interessante und gelungene Musik, die einerseits klassische Instrumente wie Geige und Cello und andererseits E-Gitarre, Bass und Schlagzeug miteinander verbindet. Neben einigen langsamen (und hervorragenden) Balladen wird Irish Folkrock der Extraklasse geboten.
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Herzerfrischender Irish-Folk-Rock lautet die Ankündigung, dabei könnte nichts Englischer sein als die Oysterband. Aber gut, diverse keltische Elemente sind ja nicht zu verleugnen…
Die Oysterband scheint zur Zeit unschlagbar; die Gruppe bringt ein hervorragendes Album nach dem anderen heraus und erobert sich dabei verdientermaßen eine ganze Menge neuer Fans.
FOLKWORLD

"The Oxford Girl and other Stories" ist das Album zum 30-Jahre-Jubiläum der englischen Folk-Rocker. 14 alte Tracks, viele ihrer besten, neu, teils ganz anders eingespielt, und zwar akustisch, mit großem klangfarbenreich-buntem Instrumentaruium. Das klingt oft tatsächlich noch besser als im Original! Süffig-vollmundige Stücke wie schlichte und sparsame (sogar a cappella), mit flüssigen Grooves, traditionell bzw. ganz auf den Gesang orientiert. Ob old-fashioned Folk, Folk Rock, Songwriter-Folk - fast immer ist melodische Exzellenz die große Stärke! Schön auch die vielen mehrstimmigen Vokalbeiträge.
GLITTERHOUSE

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